Gedanken zur Nacht – Der Zwiespalt einer Mehrkind-Mutter

Gedanken zur Nacht – Der Zwiespalt einer Mehrkind-Mutter


Meine beiden Schätze. Es ist spät. Ihr schlaft schon friedlich in euren Betten. Ich bin müde und möchte auch ins Bett, aber wie jeden Abend werde ich euch noch einen Kuss geben und kurz bei euch verweilen. Euch einen Moment anschauen.

Eure Zimmertüren liegen nebeneinander. Ich stehe davor und überlege, zu wem ich zuerst gehen soll. Ich entscheide mich nach kurzem Zögern für ein Kind und ich weiß, wenn ihr jetzt wach wärt, hätte ich ein schlechtes Gewissen, dem anderen Kind gegenüber.

Warum gehst du zuerst zu ihr, warum warst du bei der Schwester länger als bei mir, fragt ihr.

Ich weiß, ihr übertreibt. Aber wisst ihr das auch? In dem Moment vermutlich nicht. Aber mit etwas Abstand?
Versteht ihr da, dass ich mich nicht teilen kann. Und in manchen Situationen das eine Kind mehr Aufmerksamkeit benötigt als das andere.

Wie sehr ich euch liebe, sage ich euch hoffentlich oft genug. Aber reicht das? Glaubt ihr mir das? Oft höre ich, die Schwester darf das, warum ich nicht. Warum schimpfst du immer nur mit mir.
Ich weiß, dass das so nicht stimmt, aber ihr, in eurer kleinen Kinderwelt seht nur den Moment, und ich frage mich, ob es für euch nur bei diesem Moment bleibt, oder ob sich dieser Moment in euer Gedächtnis einbrennt, und ihr mir dann nicht mehr glaubt, wie sehr ich euch liebe.

Ist es nur eine unbedachte Äußerung, wenn ihr sagt, du hast die Schwester mehr lieb.
Wie oft sagen wir unbedachte Sachen zueinander. Wie oft frage ich mich, ob es reicht, was ich euch gebe. Gebe ich euch genug Aufmerksamkeit? Zeit? Liebe?
Bevorzuge ich die eine vielleicht unbewusst doch etwas mehr? Gebe ich der anderen genug meiner Zeit?
Egal wie viel man macht, irgendwie bleibt immer das Gefühl zurück, dass es nicht reicht.



Ich fühle mich unruhig. Selten kann ich mich auf eine von euch richtig einlassen, wenn die andere in der Nähe ist. Ich stelle mir immer die Frage, was die andere gerade macht, ob es ihr gut geht, und wie ich die Zeit, die ich gerade mit der einen verbringe, auch der anderen zuteil werden lassen kann. Ein ewiger Kreislauf.

Wenn ich Zeit mit einer von euch allein verbringe, wenn die andere nicht in der Nähe ist, seid ihr immer so ausgeglichen und fröhlich. Wir lachen und reden dann viel. Aber ich möchte keine von euch missen. Und ich bin mir sicher, irgendwann werdet ihr es zu schätzen wissen, eine Schwester zu haben.

Ihr seid so tolle kleine Menschen und ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich zwei so unterschiedliche Persönlichkeiten so sehr lieben kann.
Wenn ihr zusammen seid, streitet ihr viel. Und meistens geht es um Eifersüchteleien. Ihr seid im Wesen so unterschiedlich, und jede von euch braucht eine andere Art von Aufmerksamkeit und Nähe.
Wie kann ich euch nur begreiflich machen, wie sehr ich euch beide liebe, gerade weil ihr so unterschiedlich seid.

Aber am Ende vom Tag geben wir alle nur unser Bestes. Und ich weiß, das spürt ihr. Ich bin ganz sicher.


Ich liebe euch unendlich.


Wie geht es dir mit mehreren Kindern? Fühlst du dich auch manchmal zerrissen? Wie löst du diesen Zwiespalt in deiner Familie?


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